Donnerstag, 20. November 2008

Über die gewaltfreie Kommunikation

Inspiriert von Gandhis „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“, ist im Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) die Selbstverantwortung, aber auch die Empathie zentraler Bestandteil für ein kooperatives Zusammenleben. Die GfK besagt, dass allen unseren Aktivitäten Bedürfnisse zugrunde liegen und sobald wir diese nachvollziehen können, Verständnis und Klarheit für unsere Gefühle, Konflikte und Gespräche entsteht.

Jene vertraulichen Situationen, die sich ergeben, wenn ich meiner besten Freundin völlig wertfrei und mitfühlend zuhöre, bestärken nicht nur die Beziehung, sondern bereichern mein Leben. Ein starkes Gefühl der Vertrautheit und Lebendigkeit lässt mich mit dem Du verbinden, und es wird mir klar, dass wir nicht isolierte Individuen, sondern empathische Mitmenschen sind.

Je bewusster mir das wird, desto mehr versuche ich es auch in schwierigeren Situationen: Wenn mir jemand etwas verärgert vorwirft, höre ich erstmal, was ihr da jetzt wirklich wichtig ist, und im Idealfall versuche ich mich erstmal mit diesen Anliegen zu verbinden, bevor ich meine Sicht der Dinge darlege. Von der Kopf- zur Herzebene ist es zwar manchmal ein schwieriger, aber ein lebensbereichernder Weg. Die gewaltfreie Kommunikation ist dabei ein Wegweiser, mir meiner Kommunikationsmuster bewusst zu werden und sie da zu verändern, wo sie weder mir noch einem anderen Menschen dienen.

Vom Herzen austauschen

Eben höre ich wieder seit Jahren Coldplay. Zufällig haben wir damals Festivaltickets für deren Konzert gewonnen. Mit meinem Kumpel gemeinsam standen wir in Mitten der Massen, melancholischen Liebesliedern zuhörend. Die Stimmung war ungewohnt, und doch für mich maßgeschneidert, war erst einen Tag davor klar geworden, dass es nicht weitergeht mit meiner Geliebten.

Trotz dieser bewegenden Situation war ich nicht im Stande, mein Befinden mitzuteilen, schon gar nicht meinem Kumpel. Wir tauschten uns auf einer Ebene aus, die zwar humorvoll und freundschaftlich war, aber sich doch nur an der Oberfläche bewegte.

Heute, wenn ein neues Gesicht in die Übungsgruppe kooperative Kommunikation kommt, merke ich immer wieder die Erleichterung, wenn ein Mensch sein Herz der Gruppe gegenüber öffnet. Gerade bei Männern ist da doch immer wieder eine gewisse Unsicherheit, obwohl mir schon lange bewusst geworden ist, dass wir Menschen uns nicht nur intellektuell austauschen wollen.

Rosenberg, der die gewaltfreie Kommunikation entwickelt hat, geht davon aus, dass wir Menschen kooperieren und unser Leben gegenseitig bereichern wollen. Und je klarer und überzeugter ich das auch so sehe, desto bereichernder werden auch die Begegnungen, die ich tagtäglich erlebe. Der Smalltalk wird zu einem angeregten Gespräch, wenn ich das ausdrücken kann, was wirklich in mir lebendig ist und mich mit dieser Lebendigkeit verbinden kann. Empathie und ein Austausch von Herzen tragen maßgeblich dazu bei.

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