Gemeinschaft

Mittwoch, 30. Juni 2010

Grundhaltungen für Gemeinschaft

von www.7generationen.at
  • Die Vorläufigkeit und Subjektivität jedes Wissens anerkennen und auf endgültige Urteile und Wertungen verzichten und offen sein, immer wieder Neues zu lernen. Keine Alleinseeligmachungsansprüche erheben, nicht missionieren, Anziehung statt Werbung.
  • Eine Kultur des von sich Sprechens entwickeln und darauf verzichten andere zu interpretieren, belehren, beurteilen, beschuldigen, schlecht machen oder gar zu dämonisieren. Nicht die „Bösen“ von den „Guten“ und umgekehrt abspalten.
  • die eigenen Gefühle weder verdrängen noch sich von ihnen unreflektiert steuern lassen sondern sie als wichtigen Zugang zu innerer Information und Ressourcen wertschätzen
  • Mit Gefühlen anderer respektvoll umgehen und deren Bedeutung für die Gesundheit von Menschen und für konstruktive Entscheidungen berücksichtigen.
  • Verschiedenheit akzeptieren und den anderen nicht zu ändern versuchen. Wenn ich mit Art und Verhalten eines anderen Menschen nicht zurechtkomme, nicht versuchen den anderen zu ändern sondern meine Grenze, die ich brauche, zu ziehen und den Abstand, den ich brauche, einzunehmen. Es zum Anlass nehmen, die eigene spirituelle Verbindung zu stärken, Angst und Ärger abzubauen, der Liebe zu sich selbst, zu den andern, zur Gottheit (wie sie/ihn jede und jeder versteht) und zur Welt Raum eben
  • Wenn sich jemand destruktiv verhält, und ich verletzt bin, die Heilung in meine Verantwortung zu nehmen, meine „Gefühlsarbeit machen“, den anderen loslassen, anerkennen, dass ich machtlos über sie/ihn bin, meinen Abstand und meine Grenzen, die ich jetzt brauche, wählen, Verständnis für die andere Person entwickeln, eine liebevolle Haltung mir selbst und dem anderen gegenüber üben.
  • Sich nicht als Opfer hinstellen und für die eigenen Entscheidungen und den eigenen Anteil an ihrer/seiner Geschichte Verantwortung übernehmen.
  • Als ständig Lernende auch eigene Fehler oder Irrtümer sich selbst und anderen zugeben und dabei ihren/seinen Selbstwert bewahren können und sich darauf konzentrieren, was man/frau daraus lernen kann. Sich dabei nicht unter Druck setzen, weder andere, noch sich selbst. Wirkliches Lernen passiert nur in Freiheit.
  • Die eigene Machtlosigkeit als Einzelwesen gegenüber Abhängigkeiten und Süchten zugeben und sich für die Kraft einer Gemeinschaft und /oder eines größeren Ganzen öffnen, um freizukommen.
  • Echtes gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl aufbauen.
  • Die persönliche Vergangenheit und die der eigenen sozialen Gruppe (Volksgruppe, Nation, Kulturkreis etc.) mit all ihren dunklen und hellen Seiten ehrlich erforschen und bewältigen.
  • Erlittenes Unrecht verzeihen und getanes Unrecht freiwillig nach Kräften wiedergutmachen.
  • Kraftvoll gegen geschlossene Systeme Widerstand leisten und klare Grenzen ziehen gegenüber zerstörerischem Denken, Verhalten, Unternehmungen und Systemen, und gleichzeitig die Würde und die Grundrechte eines jeden Menschen, auch von jenen, die in solchen Systemen gefangen erscheinen, wahren.
  • innere und äußere Sicherheit und Freiheit nicht so sehr auf Geld und Besitz sondern auf menschliche Gemeinschaft und geistiges Bewusstsein zu gründen suchen
  • Die eigenen Werte, eigene Berufung und die eigene Würde aus einer Verbindung zu einem größeren Ganzen und zu dem eigenen tiefen, geistig – seelischen Prozess heraus zu leben und zu entfalten suchen und andere Menschen dabei zu unterstützen
  • Das eigene Leben und das der ganzen Schöpfung als wundervolles Geschenk eines größeren Ganzen anerkennen.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Mut zur Abhängigkeit

Kennst du Spiral Dynamics? Aus meiner Sicht ein sehr ausgereiftes Entwicklungsmodell, dass die Stufen der menschlichen Bewusstseinsebenen - indidividuell wie kollektiv - zu erfassen versucht. Das Spannende ist für mich, dass sich je eine Stufe sehr auf das Kollektiv, auf die "Gemeinschaft" orientiert, während die darauffolgende Ebene wieder sehr selbstbezogen wirkt, Unabhängigkeit und eigener Wille im Vordergrund stehen.

Frei-Sein

Ich bin tief überzeugt, dass wir als Menschen nicht nur frei sind, sondern unsere Freiheit auch leben wollen. Das Wissen alleine darüber führt zu nichts, auch wenn das schon eine radikale Einsicht sein kann und großen Mut braucht, diese Verantwortung auch wirklich zu übernehmen. Der ersehnte Ausbruch passiert meist im außen, wir denken, wenn wir frei entscheiden können, wo wir leben und was wir konsumieren können, wären wir freie Wesen. Unter Freiheit versteh ich weit mehr, der Ruf der Welt soll mich wirklich meinen Platz in der Welt finden lassen.

Zuhause ankommen

Bei mir hat dieser Prozess viel mit verabschieden zu tun.
Einschläfernde Strukturen, Muster und Gewohnheiten der Sicherheit, die sich beharrlich einschleichen, versuche ich immer wieder zu erkennen und dann wirklich voll da zu stehen und zu sagen: Hey, ich steige voll ins Leben ein. Ja, und je mehr ich auch meine Unsicherheiten ausspreche, desto kleiner werden sie, desto menschlicher, desto verbindender mit anderen. Dann steh ich da, begegne einem Menschen, der mich einfach nur hört und versteht. Ja, wie natürlich. Ich lebe mein Leben, und damit das Leben. Nichts Menschliches ist mir fremd.

"Mein Eigenes" leben

Besonders schwer ist es, mein Eigenes ganz zu leben. Oft stehen alte Muster und Strukturen im Weg, die verabschiedet werden wollen. Manchmal sind es auch Menschen, wo es jetzt scheinbar einfach nicht weiter geht. Ein neuer Impuls ist da, und wenn er nicht ausgelebt wird, auf welche Weise auch immer, dann ist das innere Gewalt. Innere Freiheit ist, diese Impulse wirklich da sein zu lassen. Wie unterstützend ist da ein Umfeld, "wo alles sein darf".

Dialektik zwischen Gemeinschaft und Individuum

Die eigene Freiheit zu erlangen muss nicht unbedingt im Widerspruch zum Kollektiv sein. Erst durch die Gemeinschaft bekomme ich viele Möglichkeiten, die ich ohne ihr nicht frei wählen könnte. Es darf nur nicht zu einer einseitigen Abhängigkeit kommen. Ich weiß, ich bin grundsätzlich frei, und ich entschließe mich freiwillig dazu, mich in eine Gruppe von Menschen einzubinden. Das sollte nicht meine Freiheit einschränken, sondern ganz im Gegenteil, mich darin bestärken, mein Eigenes ganz leben zu können. "Mein Eigenes" kann und will ich ja nicht alleine erleben, und daher brauche ich den Mut zur Abhängigkeit, die mich nicht fesselt, sondern aufblühen lässt.

Oder wie Christian Felber es benennt:

„Der höchste Grad der Freiheit ist nicht, dass wir unser eigenes Leben in die eigene Hand nehmen, sondern dass wir das Zusammenleben gemeinsam aktiv gestalten – nach Werten, die die Gemeinschaft gelingen lassen."

Dienstag, 12. Februar 2008

Das Geschenk des Rabbi

Eine übernommene Geschichte, die es wert ist zu lesen.

Es war einmal ein Kloster, für das schwere Zeiten angebrochen waren. Einst ein großer Orden, waren alle seine Bruderhäuser verlorengegangen als Folge der Wogen klosterfeindlicher Verfolgung im 17. und 18. Jahrhundert und der Säkularisation im 19. Jahrhundert. Er war bis zu einem solchen Ausmaß dezimiert worden, daß nur noch fünf Mönche übrigblieben im zerfallenden Mutterhaus: der Abt und vier andere, alle über 70 Jahre alt.

Es war klar, daß es ein sterbender Orden war.


In den tiefen Wäldern, die das Kloster umgaben, stand eine kleine Hütte, die ein Rabbi von einer nahe gelegenen Stadt gelegentlich als Einsiedelei benutzte. Durch die vielen Jahre des Gebets und der Kontemplation waren die alten Mönche ein wenig hellsehend geworden, so daß sie es immer wahrnehmen konnten, wenn der Rabbi in seiner Eremitage war.
„Der Rabbi ist im Wald, der Rabbi ist wieder im Wald” , pflegten sie einander zuzuflüstern. In einer solchen Zeit, als der Abt sich wieder einmal zermarterte über den unabwendbaren Tod seines Ordens, fiel ihm ein, den Rabbi in, seiner Eremitage zu besuchen und ihn zu fragen, ob er möglicherweise einen Rat wüßte, wie das Kloster zu retten sei. Der Rabbi hieß den Abt in seiner Hütte willkommen. Aber als der Abt den Zweck seines Besuches erklärte, konnte der Rabbi nur mitfühlend ausrufen: „Ich weiß, wie das ist, der Geist hat die Menschen verlassen. Es ist genauso in meiner Stadt. Fast keiner kommt mehr in die Synagoge.”
So weinten der alte Abt und der alte Rabbi zusammen. Dann lasen sie in der Thora und führten in Ruhe tiefe Gespräche.Die Zeit kam heran, daß der Abt aufbrechen mußte. Sie umarmten sich.

"Der Messiah ist einer von euch"

„Es war wunderbar, daß wir uns nach all den Jahren begegnen konnten”, sagte der Abt, „aber ich habe noch immer das nicht erreicht, dessentwegen ich hergekommen bin. Gibt es denn gar nichts, das du mir sagen kannst, keinen kleinen Rat, der mir helfen würde, meinen sterbenden Orden zu retten?” „Nein, es tut mir leid”, erwiderte der Rabbi, „ich habe keinen Rat zu geben. Das einzige, was ich dir sagen kann, ist, daß der Messias einer von euch ist."
Als der Abt zum Kloster zurückkehrte, versammelten sich seine Brüder um ihn und fragten: „Nun, was sagte der Rabbi?” „Er konnte nicht helfen”, antwortete der Abt. "Wir haben nur geweint und zusammen die Thora gelesen. Das einzige, was er sagte, gerade als ich ihn verließ - es blieb etwas dunkel -, war, daß der Messias einer von uns sei. Ich weiß nicht, was er meinte.”
In den Tagen, Wochen, Monaten, die folgten, bedachten die alten Mönche dies und fragten sich, ob es irgendeine Bestätigung für die Worte des Rabbis gebe.

Der Messias ist einer von uns?

Kann er überhaupt einen von uns Mönchen hier im Kloster gemeint haben? Wenn das der Fall ist, welchen? Glaubst du, er meinte den Abt? Ja, wenn er irgendeinen meinte, war es vermutlich Vater Abt.
Er ist mehr als eine Generation lang unser Führer gewesen.
- Andererseits könnte er Bruder Thomas gemeint haben. Sicherlich ist Bruder Thomas ein heiliger Mensch. Jedermann weiß, dass Thomas ein Mann des Lichts ist.
- Sicherlich konnte er nicht Bruder Elred meinen! Elred ist zeitweise schrullenhaft. Aber wenn man es recht bedenkt, auch wenn er ein Ärgernis für die Leute ist, hat Elred eigentlich immer recht. Oft sehr recht. Kann sein, der Rabbi meinte wirklich Bruder Elred.
- Aber sicher nicht Bruder Phillip. Phillip ist so passiv, ein rechter Niemand. Aber dann, beinahe rätselhaft, hat er die Gabe, irgendwie immer da zu sein, wenn man ihn braucht. Er erscheint wie durch Zauber an deiner Seite. Vielleicht ist Phillip der Messias.
- Natürlich meinte der Rabbi nicht mich. Er konnte keinesfalls mich meinen. Ich bin nur eine gewöhnliche Person. Aber angenommen, er tat es? Angenommen, ich bin der Messias?

O Gott, nicht ich.

Ich könnte nicht so viel für Dich bedeuten, nicht wahr? Wie sie in dieser Art überlegten, begannen die alten Mönche einander mit außerordentlichem Respekt zu behandeln, wegen der entfernten Möglichkeit, daß einer von ihnen der Messias sein könnte.
Und auf die noch entferntere Möglichkeit hin, daß jeder der Mönche selbst der Messias sein könnte, begannen sie, sich selbst mit außerordentlichem Respekt zu behandeln.
Weil der Wald, in dem das Kloster lag, so schön war, geschah es noch gelegentlich, daß Leute es besuchten, um auf dem kleinen Rasen zu picknicken, die Wege entlang zu wandern, sogar dann und wann in der baufälligen Klosterkapelle zu meditieren. Als sie so taten, fühlten sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, diese Aura von außerordentlichem Respekt, die nun die fünf alten Mönche zu umgeben begann, die von ihnen auszustrahlen und die Atmosphäre des Ortes zu durchdringen schien.

Es war etwas seltsam Anziehendes

..., ja sogar Bezwingendes daran. Kaum wissend warum, kamen sie immer häufiger wieder zu dem Kloster, um zu picknicken, zu spielen, zu beten. Sie begannen, ihre Freunde mitzubringen, um ihnen diesen besonderen Ort zu zeigen. Und ihre Freunde brachten deren Freunde mit. Dann geschah es, daß einige der Jüngeren, die das Kloster besuchten, anfingen, mehr und mehr mit den alten Mönchen zu sprechen.
Nach einiger Zeit fragte einer, ob er sich ihnen anschließen dürfe. Dann ein anderer und noch einer. So wurde das Kloster innerhalb weniger Jahre wieder ein aufstrebender Orden und, dank des Geschenkes des Rabbis, ein lebendiges Zentrum von Licht und Geistigkeit in der Gegend.

Alte Parabel, wie M. Scott Peck sie in dem Prolog zu seinem Buch "The Different Drum" nacherzählt.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Ökodorf Erfahrungsbericht

Ein kurzer Querverweis zu einem Bericht, den ich von einem 4 wöchigen Kurs gemacht habe, der eine nachhaltige Lebensweise aus unterschiedlichsten Perspektiven genauer betrachtet hat.

Genaueres findest du hier: http://www.connection.de/cms/content/view/1625/1/

Stehe natürlich jederzeit für Rückfragen bzw. -meldungen zur Verfügung.

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c4luxe - 30. Jul, 17:36

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