Donnerstag, 6. März 2008

Die Einladung

von Oriah Mountain Dreamer

Es ist für mich nicht wichtig, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es ist für mich nicht wichtig, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leides berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.

Ich will wissen ob du mit dem Schmerz – meinem und deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen ob du mit Freude – meiner und deiner – dasitzen kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher
vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.

Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem – leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: "Ja!"

Es ist für mich nicht wichtig zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast. Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist. Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.

Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

Dienstag, 4. März 2008

End-lich leben

Im Kindesalter hat mich bereits ein Spruch begeistert, der auf einer kleinen Karte an der Pinnwand meiner Mutter stand:

"Höre nie auf anzufangen.
Fange nie an aufzuhören."

Unzählige Male bin ich davor gestanden und habe nicht nur über die synonyme Wortwahl und deren völlig unterschiedliche Bedeutung gestaunt, sondern auch über eine intuitiv wahrgenomme Lebensweisheit.

"Höre nie auf anzufangen."

Schon als Kind hatte ich immer meine Wünsche und Träume in mir, doch stand oft die Schulzeit dazwischen. Wollte ich in der Schule nicht versagen und "negativ" bewertet werden, musste ich lernen, die Anforderungen anderer über meine Wünsche und Träume zu stellen.

Nach meiner Schulzeit durfte ich erstmals vollkommene Freiheit erleben - und wurde unmittelbar mit deren Schwierigkeit konfrontiert. In der Schule habe ich alles gelernt nur nicht mein Leben frei zu gestalten, wie sollte ich es also jetzt können? Mein Auslandszivildienst in Uganda missglückte und so begann ich an der Universität - und fand mich bald wieder in der selben Rolle wie in der Schule: ich gab der Universität die Verantwortung, mir das anzubieten, was ich brauche. Dass das nicht lang währte, war voraussehbar - Bücher von Hesse und anderen "Lebenskünstlern" bohrten so lange, bis ich stehen blieb, inne hielt und begann, mehr und mehr Verantwortung nicht nur über meinen beruflichen Werdegang, sondern auch über mein Lebensglück zu übernehmen.

"Jeder ist seines Glückes Schmied."


Ich begann mir Gedanken darüber zu machen, was mich wirklich erfüllen würde. Früher dachte ich das wären Freunde und ein sinnvoller Beruf, doch hängt mein Glück dann von anderen ab - was ja grundsätzlich verständlich ist, wären da nicht die Erwartungen. Ich wollte aber nicht auf etwas anderes bzw. andere warten, es fühlte sich auch nicht richtig an, diese Absicht: "Hey du, mach mich glücklich! Hey du, gib mir eine Lebensaufgabe, die mich glücklich macht!"

"Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt."

Autsch. Oh-ja. Das tut verdammt weh, wenn alles wegfällt und nur noch ich da bleibe. Nachdem wir in einer end-lichen Welt leben, alles also nach einer Zeit wegfällt, ist es wert, genauer hinzusehen und nicht erst dann, wenn die eigene Endlichkeit vor der Tür steht. Kann ich mich so lieben, wie ich bin, habe ich meinen Platz auf dieser Erde gefunden? Kann ich heute die Welt so verlassen und sagen: Ja, ich bin zufrieden - in Frieden - mit meinem Leben?

"Ich wollte doch nur leben, was aus mir herauswollte. Warum war das so schwer?"


Auf diese Frage gibt es keine allgemeine Antwort, sondern darauf muss sich jeder selbst antworten. Das ist auch das Wundervolle am Leben: Die Antwort bist immer du selbst. Es heißt immer nur, sich die richtigen Fragen zu stellen und sich für die Antwort Zeit und Muße zu geben. Was will aus mir heraus? Was will ich wirklich? Die Endlichkeit des Lebens ist der Bezugspunkt, der uns hilft, auf diese Lebensfragen die Lebensantwort geben zu können, wofür ich leben will und wofür nicht, woran ich mein Leben hingeben will und woran nicht.

Und das ist auch die Weisheit, die ich damals schon erahnt hatte:

Fange nie an aufzuhören und
höre nie auf anzufangen,
all deinen Träumen nachzugehen
und sie endlich zu leben.

Sonntag, 2. März 2008

Wer lieben kann, ist glücklich

Im Gemeinschaftsraum des Ökodorfs 7Linden steht ein Spruch an der Wand, der sinngemäß lautet: "Wie soll dich jemand lieben, wenn du nicht zeigst, wer du bist?"

Und wer bin ich? All das, was in mir lebendig ist - und je mehr davon spürbar ist, desto mehr stehe ich im Leben. Das Problem unserer Gesellschaft ist dabei, dass wir uns bereits so viele Masken aufgesetzt und in Konformität und Anpassung geübt haben, dass wir die Verbindung zu dem, was wir wirklich sind, oft nur noch schwer erfahren können.

"Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil."

Wäre da nicht die Liebe! Die Liebe, die uns wieder zu unserem ursprünglichen Sein zurückführen will und an uns rüttelt und uns den Kopf verdreht, bis wir all die verkrümmten Haltungen wieder aufgeben. Die Liebe möchte das Leben bejahen und uns zu dessen Essenz führen, verneinen wir sie, lehnen wir damit unweigerlich auch unser Wesen(tliches) ab.

"Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann."


Wäre da nicht die Angst vor Verletzungen. Erinnerungen an Wunden, die wir aus der Vergangenheit mitgenommen haben, weil wir uns der (Selbst)Liebe nicht hingegeben haben und damit diese Schmerzen nicht bejahen konnten.

Und wäre da nicht unserer vernunftsbetonter Verstand, der nur das Beste für uns möchte und doch dabei vergisst, dass die Beweggründe des Herzens rational nicht verständlich sind. Der Kopf wägt ab, stellt die gesellschaftlich anerkannten Werte in den Mittelpunkt, bewertet und versucht analytisch eine Antwort auf die Frage zu finden: soll ich mich wirklich darauf einlassen? Ja? Nein?

Was kann ich verlieren?


Alleine diese Frage zeugt von der Unwissenheit des Verstands über die Liebe. In der Liebe gibt es keine Gewinner oder Verlierer, da es auch nichts zu gewinnen gibt - die Liebe möchte sich einlassen auf den Moment und sich diesem vollkommen und bedingungslos hingeben, ohne wenn und ohne aber. Bedingungslos zu lieben bedeutet, jegliche Bedingungen loszulassen und damit auch die Vernunft, die genau diese Bedingungen abwägen möchte. Das Hin-Geben ohne Absicht also, ohne Gegenforderung, alleine aus der Kraft der Liebe heraus, die sich selbst genügt...

"Wer lieben kann, ist glücklich."


Als ich vor 3 Jahren wieder einmal in einer scheinbar gescheiterten Liebe vor mich hintrauerte und mein Herz in tausend Teile zerbrochen schien, kam mir Hermann Hesse's Sammelwerk "Wer lieben kann, ist glücklich" in die Hände. Nach und nach wurde mir bewusst, welch wahres Glück ist, lieben zu können und zu dürfen. Es macht mich lebendig, weckt alles Wesentliche in mir und rückt alles andere in den Hintergrund. Und mit diesem Prozess führt es mich direkt ins (Er)Leben, direkt zu dem was ist, und zu dem, was uns am Leben erhält, uns erfüllt und glücklich macht.

Von der Liebe

aus "Der Prophet" von Khalil Gibran
(nehme im folgenden Beitrag Bezug darauf)

"Da sagte Almitra: Sprich uns von der Liebe.
Und er hob den Kopf und sah auf die Menschen, und es kam eine Stille über sie Und mit lauter Stimme sagte er:

Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstetet.
Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.
Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.
All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennen lernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.
Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
In die Welt ohne Jahreszeiten,
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.
Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.
Liebe besitzt nicht, noch lässt sie sich besitzen;
Denn die Liebe genügt der Liebe.
Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.
Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.
Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt, sollst du dir dies wünschen:
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein,
der seine Melodie der Nacht singt.
Den Schmerz allzu vieler Zärtlichkeit zu kennen.
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;
Und willig und freudig zu bluten.
Bei der Morgenröte mit beflügeltem Herzen zu erwachen
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;
Zur Mittagszeit zu ruhen
und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;
Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
Und dann einzuschlafen
mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen
und einem Lobgesang auf den Lippen."

Dienstag, 19. Februar 2008

Die Botschaft der Liebe

Kurz vor Silvester hatte ich immer wieder den selben Traum: Da war nichts, außer 2 Möglichkeiten, für die ich mich entscheiden sollte. Die eine war das vollkommene Vertrauen, die andere die Angst und der Zweifel. Intuitiv wusste ich von Beginn an, welcher der richtige Weg für mich sei - und doch konnte ich mich nicht gänzlich dem Vertrauen hingeben. Es wäre naiv, unrealistisch und abgehoben meinte etwas in mir. In der ersten Begegnung mit diesem Traum wagte ich mich an den unangenehmeren Weg, und als ich mich einen Schritt näherte, ent-schied und scheidete ich mich von dem anderen: dem Vertrauen. Im selben Moment fand ich mich in einem unermesslichen Sturz in die Tiefe, Verlorenheit und Sinnlosigkeit umgaben mich.

"Die Existenz - das was ist - ist unser bester Lehrmeister."

Gestern Abend erlebte ich für Sekundenbruchteile das selbe Gefühl, nur in einer "realeren" Situation. Ich wurde mit einer Herausforderung konfrontiert, die all meine inneren Ängste und Selbstzweifel auslöste. Das, was sie mir einstimmig sagten, war das Nein. Nein zu dem, was ich eigentlich möchte und nein zu dem, was ich alles bin. In diesem freien Fall habe ich die Verbindung zu mir selbst verloren, mich von diesen Gefühlen vereinnahmen lassen. Einsamkeit und Isolation folgten, und die scheinbare Auswegslosigkeit und Verzweiflung brachten mich zum Selbstmitleid. In diesem Moment kam wieder meine volle Energie zurück, denn diese Opferrolle bin ich nicht und will ich auch nicht sein. Ich weiß, dass alleine ich verantwortlich bin, wie ich mit mir selbst umgehe. Mein eigener Umgang mit mir selbst hängt dabei nur von einem ab: ob ich selbst mich lieben kann.

"Wir lieben, wenn wir alles leben, was in uns ist.
Die Liebe ist das bedingungslose 'Ja' zum Leben in all seinen Formen."


Was passiert, wenn ich nicht mehr Angst vor der Angst, wenn ich nicht mehr zweifle aufgrund meiner Zweifel, sondern diese erstmals bejahe und annehme, so, wie sie sind?
Als ich gestern all meine Schwächen und Verletzungen so vor mir liegen hatte, entdeckte ich den Reichtum dieser offenbarten Schätze. Wie sehr hatten genau diese mich ein Lebenlang begleitet und wie wenig konnte ich auf sie hören, weil ich nicht bereit dazu war, sie zuzulassen. Wie groß ist jetzt die Chance, diese unausgelebten Ursachen in mein Leben zu integrieren, statt mich auch von deren Auswirkung zu verstecken.

"Und wenn du dein Leben verändern willst, geh einfach den Weg der Angst, der führt am weitesten."

Wo führt er hin? Ich dachte, ich solle vertrauen. Liebe oder Angst, was jetzt? Beides! Das eine braucht das andere, der Weg des vollkommenen Vertrauens wär nicht möglich, wenn mensch nicht den Weg der Angst und Zweifel bereits gegangen wär, ihn kennt, und weiß, wohin er führt: zu einem Selbst. Darauf sollten wir vertrauen, meint die Liebe.

"Ja, ich schätze und akzeptiere dich; ich genieße deine Gegenwart und ich ermutige und unterstütze dich darin, so zu sein, wie du bist."

Das ist die Botschaft der Liebe, und es liegt an uns, diese uns selbst und allen anderen zu verkünden.

Montag, 18. Februar 2008

Fluss des Lebens

Aus dem scheinbaren Nichts fällt er aus dem Himmel, der Wassertropfen, dessen Reise so unvorsehbar und einzigartig wie die eines Menschen ist. Nur eines ist ihm gewiss, seine Aufgabe, die es zu erfüllen gilt: Die Erde zu nähren, in Interaktion mit all anderen Erscheinungen und Lebensformen zu treten. Bäche, Pflanzen oder gar Menschen entstehen und dabei könnte das eine nicht ohne dem anderen währen.

"Weich ist stärker als hart.
Wasser ist stärker als Fels.
Liebe ist stärker als Gewalt."


Erst kürzlich, als mich eine Freundin fragte, ob sich meine heutigen Interessen und Tätigkeiten mit meiner Geschichte verbinden und erklären lassen, kam mir das Bild einer Flusslandschaft. Ich sah einen schmalen Wasserlauf, der aus der Leere, einer unsichtbaren Quelle entsprang und sich langsam seinen Weg bahnte: Zwischen satte Wiesen schlängelnd, durch festes Gestein dringend, nahm er wertvolle Mineralien und unterschiedlichste Qualitäten auf, die seinen weiteren Verlauf prägen sollten. Manches Mal beschenkte ihn der Wind mit einem Hauch von Freiheit, wenn ein kräftiger Sturm oder ein Abgrund ihn aus seiner geerdeten Bahn riss. Andere Male stand er vor scheinbar unüberwindbaren Felsformationen, die ihm zum Inne halten oder gar Rückzug zwangen. Einige Male konnte er sich nicht ent-scheiden und entzweite sich selbst dadurch.

"Du kannst nicht 2 Mal in den selben Fluss steigen."

In meinem Bild erscheinen sich viele dieser Wasserwege. Die einen widerspiegeln meine eigenen Verläufe, Spaltungen, Umwege und das Zusammenfließen. Andere symbolisieren Menschen, Freundinnen und Freunde, die sich mit meinen gekreuzt und vereint haben. Und wie jeder Tropfen einzigartig und ein Teil des Ganzen ist, so sind es auch meine Erfahrungen, meine Erlebnisse, meine freudvollen Begegnungen und schmerzlichen Trennungen, unvergleich- und unwiederholbar. Genauso wenig sich der Fluss der Zeit nicht aufhalten oder festhalten lässt, genauso wenig ist es mit dem eigenen Erleben. Umso wichtiger ist es, wie wir etwas erleben, denn es wird kein zweites Mal auf diese Weise geschehen und doch wird es meinen weiteren Werdegang prägen, ganz gleich ob ich will oder nicht.

Der Fluss geht auf die Reise...

Manches Mal scheint es keinen Sinn zu ergeben, wie sich mein Leben entwickelt - und umso befreiender ist es dann, die Zusammenhänge zu erkennen, wie das eine das andere beeinflusst und die einzelnen Strömungen ineinander fließen und gemeinsam bzw. allein(s) dem Ruf des Lebens folgen. Wie Menschen aus dem "Nichts" auftauchen, um sich zusammen an der Gegenwart zu erfreuen und sich ihr mit Demut und Dankbarkeit hingeben. Bis der Weltgeist uns wieder auf eine neue, einzigartige Reise schickt, der Kreislauf sich schließt, und der Fluss des Lebens ein neues Bild entstehen lässt.

Samstag, 16. Februar 2008

Verliebt ins Leben

Ich blicke aus dem Zugwaggon, als sich mein innerer Zweifler zu Wort meldet: "Hey, was machst du da, du weißt doch gar nicht, worauf du dich einlässt!" Kurz davor wäre ich beinahe in einen völlig falschen Zug eingestiegen - mehr intuitiv als wissend bin ich schließlich in den richtigen gesprungen. 2 Sekunden später wäre er weg gewesen - und damit mein gesamter Plan, dass den inneren Zweifler einige weitere Argumente geliefert hätte.

"Es ist ein Irrglaube zu meinen, Mutige kennen keine Angst.
Ganz im Gegenteil, sie kennen sie sehr gut!"


Mein Wille war jedochzu stark um jeglichen Zweifeln nicht mehr als ein vertrautes Lächeln zu schenken. Auch wenn ich nicht wusste, was mich erwartete, so hatte ich das Vertrauen, dass es mir gut tun würde - auf welche Weise auch immer. Dieses Grundvertrauen ist eine sehr heilsame Weise, der inneren Stimme Kraft zu verleihen, die sie braucht, um zur Geltung zu kommen. Schließlich wissen wir nie, was auf uns kommt und je mehr wir uns aus dem Bereich des Gewohnten wagen, umso mehr bedarf es an Mut, sich dieser Unsicherheit hinzugeben.

Orte des Seins

Mein Bedürfnis ist es, mich mehr und mehr in dieser Welt einzubringen. Ich möchte mich sowohl meinen eigenen als auch den Herausforderungen meiner Mitwelt stellen, und das Schöne dabei ist: es geht Hand in Hand. Was hilft eine Politikerin, die auf die Wunden unserer Welt hinweist, wenn sie noch ihre eigenen Wunden noch nicht geheilt hat und ihr damit das Wichtigste fehlt: Authentizität.

Mein Verlangen nach dieser Authentizität führt mich an Orte, an denen ich Ich sein darf. Dieses bewusste Sein reicht dabei von der Problematik der Naturzerstörung bis hin zu meiner innersten Lebendigkeit, sei es Angst, Liebe oder Sexualität. Natürlich gibt es nicht diesen einen Ort, an denen dies alles stets sein kann. Dieser Ort ist mensch auch in gewisser Weise selbst, denn ich entscheide, was ich denke, fühle und damit ausdrücke. Ich gestalte diesen Raum mit - aber je mehr Menschen auch dies erleben wollen, was gerade jetzt da ist und einem bewegt, umso lebendiger und bunter wird es. Und genau das sind wir auch: vielfältige, mitfühlende Wesen.

"Es gibt nichts, was ich haben muss,
nichts, was ich tun muss, und nichts
was ich sein muss, außer genau das,
was ich in diesem Moment bin."


Das, was mich verliebt ins Leben macht, ist das Lieben des Lebendigen. Ich will meine Ängste achten, weil sie mich auf etwas hinweisen wollen. Ich will den Tod annehmen, da er mich auf die Einzigartigkeit des Augenblicks erinnert und auch an das viele Leid, dass sich verhindern lässt und mir damit eine unbändige Kraft verleiht. Ich will die Liebe mit offenen Armen willkommen heißen, da sie mich mit mir selbst und anderen verbindet und die vernunftsbetonten Grenzen verschwimmen lässt. Je mehr ich mich auf alles Lebendige einlassen kann, umso mehr lerne ich die Vielfalt des Lebens zu schätzen und staune, wie sich meine Wahrnehmung dabei verändert. Ich fühle mich von all den Erfahrungen und Empfindungen so bereichert, dass ich innerlich zu strahlen beginne und verliebt bin - ins Leben.

Dienstag, 12. Februar 2008

Das Geschenk des Rabbi

Eine übernommene Geschichte, die es wert ist zu lesen.

Es war einmal ein Kloster, für das schwere Zeiten angebrochen waren. Einst ein großer Orden, waren alle seine Bruderhäuser verlorengegangen als Folge der Wogen klosterfeindlicher Verfolgung im 17. und 18. Jahrhundert und der Säkularisation im 19. Jahrhundert. Er war bis zu einem solchen Ausmaß dezimiert worden, daß nur noch fünf Mönche übrigblieben im zerfallenden Mutterhaus: der Abt und vier andere, alle über 70 Jahre alt.

Es war klar, daß es ein sterbender Orden war.


In den tiefen Wäldern, die das Kloster umgaben, stand eine kleine Hütte, die ein Rabbi von einer nahe gelegenen Stadt gelegentlich als Einsiedelei benutzte. Durch die vielen Jahre des Gebets und der Kontemplation waren die alten Mönche ein wenig hellsehend geworden, so daß sie es immer wahrnehmen konnten, wenn der Rabbi in seiner Eremitage war.
„Der Rabbi ist im Wald, der Rabbi ist wieder im Wald” , pflegten sie einander zuzuflüstern. In einer solchen Zeit, als der Abt sich wieder einmal zermarterte über den unabwendbaren Tod seines Ordens, fiel ihm ein, den Rabbi in, seiner Eremitage zu besuchen und ihn zu fragen, ob er möglicherweise einen Rat wüßte, wie das Kloster zu retten sei. Der Rabbi hieß den Abt in seiner Hütte willkommen. Aber als der Abt den Zweck seines Besuches erklärte, konnte der Rabbi nur mitfühlend ausrufen: „Ich weiß, wie das ist, der Geist hat die Menschen verlassen. Es ist genauso in meiner Stadt. Fast keiner kommt mehr in die Synagoge.”
So weinten der alte Abt und der alte Rabbi zusammen. Dann lasen sie in der Thora und führten in Ruhe tiefe Gespräche.Die Zeit kam heran, daß der Abt aufbrechen mußte. Sie umarmten sich.

"Der Messiah ist einer von euch"

„Es war wunderbar, daß wir uns nach all den Jahren begegnen konnten”, sagte der Abt, „aber ich habe noch immer das nicht erreicht, dessentwegen ich hergekommen bin. Gibt es denn gar nichts, das du mir sagen kannst, keinen kleinen Rat, der mir helfen würde, meinen sterbenden Orden zu retten?” „Nein, es tut mir leid”, erwiderte der Rabbi, „ich habe keinen Rat zu geben. Das einzige, was ich dir sagen kann, ist, daß der Messias einer von euch ist."
Als der Abt zum Kloster zurückkehrte, versammelten sich seine Brüder um ihn und fragten: „Nun, was sagte der Rabbi?” „Er konnte nicht helfen”, antwortete der Abt. "Wir haben nur geweint und zusammen die Thora gelesen. Das einzige, was er sagte, gerade als ich ihn verließ - es blieb etwas dunkel -, war, daß der Messias einer von uns sei. Ich weiß nicht, was er meinte.”
In den Tagen, Wochen, Monaten, die folgten, bedachten die alten Mönche dies und fragten sich, ob es irgendeine Bestätigung für die Worte des Rabbis gebe.

Der Messias ist einer von uns?

Kann er überhaupt einen von uns Mönchen hier im Kloster gemeint haben? Wenn das der Fall ist, welchen? Glaubst du, er meinte den Abt? Ja, wenn er irgendeinen meinte, war es vermutlich Vater Abt.
Er ist mehr als eine Generation lang unser Führer gewesen.
- Andererseits könnte er Bruder Thomas gemeint haben. Sicherlich ist Bruder Thomas ein heiliger Mensch. Jedermann weiß, dass Thomas ein Mann des Lichts ist.
- Sicherlich konnte er nicht Bruder Elred meinen! Elred ist zeitweise schrullenhaft. Aber wenn man es recht bedenkt, auch wenn er ein Ärgernis für die Leute ist, hat Elred eigentlich immer recht. Oft sehr recht. Kann sein, der Rabbi meinte wirklich Bruder Elred.
- Aber sicher nicht Bruder Phillip. Phillip ist so passiv, ein rechter Niemand. Aber dann, beinahe rätselhaft, hat er die Gabe, irgendwie immer da zu sein, wenn man ihn braucht. Er erscheint wie durch Zauber an deiner Seite. Vielleicht ist Phillip der Messias.
- Natürlich meinte der Rabbi nicht mich. Er konnte keinesfalls mich meinen. Ich bin nur eine gewöhnliche Person. Aber angenommen, er tat es? Angenommen, ich bin der Messias?

O Gott, nicht ich.

Ich könnte nicht so viel für Dich bedeuten, nicht wahr? Wie sie in dieser Art überlegten, begannen die alten Mönche einander mit außerordentlichem Respekt zu behandeln, wegen der entfernten Möglichkeit, daß einer von ihnen der Messias sein könnte.
Und auf die noch entferntere Möglichkeit hin, daß jeder der Mönche selbst der Messias sein könnte, begannen sie, sich selbst mit außerordentlichem Respekt zu behandeln.
Weil der Wald, in dem das Kloster lag, so schön war, geschah es noch gelegentlich, daß Leute es besuchten, um auf dem kleinen Rasen zu picknicken, die Wege entlang zu wandern, sogar dann und wann in der baufälligen Klosterkapelle zu meditieren. Als sie so taten, fühlten sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, diese Aura von außerordentlichem Respekt, die nun die fünf alten Mönche zu umgeben begann, die von ihnen auszustrahlen und die Atmosphäre des Ortes zu durchdringen schien.

Es war etwas seltsam Anziehendes

..., ja sogar Bezwingendes daran. Kaum wissend warum, kamen sie immer häufiger wieder zu dem Kloster, um zu picknicken, zu spielen, zu beten. Sie begannen, ihre Freunde mitzubringen, um ihnen diesen besonderen Ort zu zeigen. Und ihre Freunde brachten deren Freunde mit. Dann geschah es, daß einige der Jüngeren, die das Kloster besuchten, anfingen, mehr und mehr mit den alten Mönchen zu sprechen.
Nach einiger Zeit fragte einer, ob er sich ihnen anschließen dürfe. Dann ein anderer und noch einer. So wurde das Kloster innerhalb weniger Jahre wieder ein aufstrebender Orden und, dank des Geschenkes des Rabbis, ein lebendiges Zentrum von Licht und Geistigkeit in der Gegend.

Alte Parabel, wie M. Scott Peck sie in dem Prolog zu seinem Buch "The Different Drum" nacherzählt.

Freitag, 8. Februar 2008

Glück durch Bescheidenheit

Sollen meine Beiträge jeder gefallen und alle gelesen werden - oder geht es doch vor allem darum, dass ich es gerne mache und keine Erwartungen damit verbinde?
Feile ich stundenlang an einem Text, bis ich mit ihm 100% zufrieden bin (und verwerfe damit 90% der Beiträge), oder nehme ich zur Kenntnis, dass es manchmal flüssiger gelingt mich auszudrücken - und manchmal eben nicht?
Und vor allem: bin ich enttäuscht, dass sich nicht alle, ja vielleicht sogar "nur" 2-3 Personen angeregt fühlen, oder empfinde ich Freude über jede Einzelne?

Eine Frage der Ausrichtung

,... der Erwartungshaltung oder einfach der Bescheidenheit. Wie schnell lässt uns eine Euphorie, ausgelöst z.B. durch Verliebtheit oder beruflichen Erfolg, in die Höhe treiben. Und wie schwer tun wir uns, dann wieder zu sicher am Boden anzukommen, ohne dabei eine Bruchlandung einzulegen.

Dabei lässt sich bei den "einfachsten" Dingen beginnen: jeder neue Tag, jedes Essen, jede noch so scheinbare Selbstverständlichkeit. Ist es nicht! 852 Millionen Menschen hungern und keiner weiß, ob du oder ich morgen noch am Leben sind. Nein, nicht von dieser "Dramatik" auffressen lassen, auch nicht wegblenden, sondern Dankbarkeit entwickeln für jeden Bissen und für jeden Augenblick.

Ist das nicht ein völlig anderes empfinden?


Mein Leben wurde und ist dadurch reicher geworden, mein inneres Lächeln öfter präsent und all die Alltagsturbulenzen verlieren an Bedeutung - welch Erleichterung. So fällt mir das Leben einfacher - Dank der Bescheidenheit.

Natürlich folgt daraus nicht, dass ich nichts zu tun habe, damit andere Lebewesen ähnliches Glück erfahren. Es soll erstmal die stabile Grundhaltung darstellen, die sich ausbauen lässt. Aber alleine dadurch werden andere inspiriert und tauschen vielleicht ein Stück Unzufriedenheit für eine Portion Bescheidenheit aus. 5 neue T-Shirts gegen ein fairproduziertes ...

"Die Demut, hinzunehmen, was ich nicht ändern kann, ..."

Das Leben will keine Lange-weile, nichts weilt ewig als die ständige Veränderung. Stets stirbt etwas, wogegen wir nichts tun können als das Alte loszulassen und das Neugeborene zu begrüssen.

Das mag etwas verträumt klingen, und zugegebenermaßen, hätte ich es nicht schon so oft gelesen und verinnerlicht, würde ich das wohl kaum so scheinbar locker schreiben können. Denn natürlich ist Schmerz damit verbunden, genauso wenn ich lese, dass bereits 97% aller Wirbeltiere unter menschlicher Gewalt stehen und der Regenwald weiter gerodet wird. Aber wenn ich diese schmerzliche Wahrheit wahrnehmen will, muss ein Weg gefunden werden, diese auch zu akzeptieren, ohne dabei im eigenen Leid zu versinken - das hilft nämlich genau niemanden - außer vielleicht den jobsuchenden Psychotherapeuten.

"...den Mut, zu ändern, was ich ändern kann,..."

Was eine einzige Person schon ändern kann? Mit dieser Einstellung nichts. Wenn ich überlege, wer wirklich maßgebliche Zeichen und Schritte gesetzt hat, dann fallen mir meist einzelne Personen oder zumindest einzelne Gruppierungen ein.

Schau dir das einmal an, dauert keine 2min, aber dreh bitte davor deine Boxen auf (keine Sorge, sehr ruhig): http://www.youtube.com/watch?v=l_Twc1jURn4

Was empfindest du dabei? Würde mich sehr interessieren, ob es ähnlich auf dich wirkt. Ich bleibe nun wirklich bescheiden, ... und ende mit diesen zitierten, bescheidenen Worten.

"Die Demut, hinzunehmen, was ich nicht ändern kann,
den Mut, zu ändern, was ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Das ist es, was ich für mein Leben wünsche."


Danke für deine Anteilnahme!

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von Rainer Maria Rilke Vor lauter Lauschen und Staunen...
c4luxe - 30. Jul, 17:36

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Zuletzt aktualisiert: 9. Aug, 04:21

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