Donnerstag, 7. Februar 2008

Ökodorf Erfahrungsbericht

Ein kurzer Querverweis zu einem Bericht, den ich von einem 4 wöchigen Kurs gemacht habe, der eine nachhaltige Lebensweise aus unterschiedlichsten Perspektiven genauer betrachtet hat.

Genaueres findest du hier: http://www.connection.de/cms/content/view/1625/1/

Stehe natürlich jederzeit für Rückfragen bzw. -meldungen zur Verfügung.

Mein Wille

Immer wieder stellt sich mir die Frage: Was will ich eigentlich? Wenn ich diese essentielle Überlegung nicht mit einem oberflächlichen "keine Ahnung" beantworten möchte, führt es mich unweigerlich in die Auseinander- und Zusammensetzung meines Selbst.

Dabei kann laut Kant der Mensch nur durch Erziehung Mensch werden. Er sei nichts, als das, was Erziehung aus ihm macht. Auch wenn es etwas eigenwillig formuliert ist, so trägt es doch einen wahren Kern in sich - der Mensch als "Nichts" sollte als Potenzial verstanden werden, als offener Werdegang, dessen Richtung sich erst weisen wird. Es ist beispielsweise erwiesen, dass sogenannte "Wolfskinder", also jene Kinder ohne menschliche Bezugsperson, sich nie verbal auszudrücken lernen. Dazu benötigt es eine Erziehung, die bei manchen früher, bei anderen später abgeschlossen ist, sobald sie selbständig ihr Leben führen können.

Erziehung also als Stütze

... die das noch gebrechliche Bäumchen beschützt und wegfällt, sobald es obsolet geworden ist. Kant zufolge sollten Kinder weiters nicht für den gegenwärtigen, sondern dem zukünftig möglich besseren Zustande des menschlichen Geschlechts, das ist: der Idee der Menschheit, und deren ganzer Bestimmung angemessen erzogen werden.

Wirds jetzt philosophisch - un(be)greifbar? Wenn ich mir den gegenwärtigen Situation ansehe - "Erziehungsberechtigte" in 40 Stunden-Jobs, Lehrende mehr mit dem Lehrstoff als mit den Schülern konfrontiert - dann fällt es mir schwer, diese Erziehung in einen zukünftig besseren Zustand zu erkennen. Natürlich hat sich viel verbessert in den letzten Jahrzehnten, und doch ist es noch eine sehr unbefriedigende Situation. Denn das Anpassen an den gegenwärtigen Zustand nimmt beim Großteil alle Energie auf sich, und dabei wird vernachlässigt, dass sich dieser längst weiter entwickeln möchte.

Sozialisation als Willensprägung


Das soziale Umfeld bestimmt meine Art des Lebens, meine Art des Denkens, meine Art der Wahrnehmung. Wachse ich in einem indigenen Naturvolk auf, in dem es kein Wort für "Besitz" gibt, führe ich ein völlig anderes Leben und werde etwas anderes wollen als in einer Industriegesellschaft. Dieses Bewusstsein von der massiven Beeinflussung unseres Umfelds, gab mir die notwendige Distanz zu diesem und ließ mich freier davon werden. Alleine das Wort Ehrgeiz half mir dabei zu verstehen. Ein ehrgeiziger Mensch gilt ja als etwas sehr Positives. Doch ist dieser Ausdruck nicht auch kritisch zu interpretieren: als ein Geiz nach Ehre (Ansehen, Prestige) - das, wonach die Politik, die Wirtschaft und generell jedes Individuum strebt?

Die Wechselwirkung des Willen


Möchte ich also beliebt und anerkannt sein, muss ich den Willen meines Umfeldes beachten - das Lernen wir von klein auf. So sind wir brav, wenn wir den Willen der Lehrenden befolgen, und werden bestraft, wenn wir es nicht tun. Ähnlich auch zuhause - befolgen wir die Regeln, werden wir geliebt, sind wir unartig, bekommen wir Liebesentzug und damit fehlt uns ein überlebenswichtiges Gefühl der Akzeptanz. Außenstehende haben es also nicht einfach, ganz gleich, wodurch sie sich (meist unfreiwillig) abgrenzen. Wir lernen daher, nicht unseren eigenen Willen zu folgen bzw. diesem zu vertrauen, da dieser stets zu Konflikten mit anderen führt und passen uns an - sozialisieren uns. Meist allerdings in einer derartig automatisierenden Weise, dass wir es nicht bewusst wahrnehmen.

Alle wollen euer Bestes - lasst es euch nicht nehmen!

Sowohl Erziehung als auch Sozialisation sind ein natürliches und bis zu einem gewissen Maße notwendiges Phänomen. Während die Erziehung (im engeren Sinn) sich diametral zur wachsenden Reife verhält und schließlich im Idealfall wegfällt, bleibt die Sozialisation uns ein Leben lang erhalten. Verbringe ich meine Zeit von Jung bis Alt in einer dörflichen Gemeinschaft mit wenig Kontakt zur Außenwelt, wird mir die Wirkung des sozialen Umfelds weniger bewusst sein (oder es wird mir zumindest schwieriger fallen) als wenn ich in unterschiedlichen Kulturen gelebt habe und die teilweise enormen Differenzen erfahre und sich dadurch die Werte zu relativieren beginnen.

Andererseits lässt sich dieser Unterschied auch schon in unterschiedlichen Familie und später Freundeskreisen feststellen. Insbesondere in letzerem passen wir uns den Gegebenheiten und den Willen anderer an, um ein reibungsloses Zusammensein zu ermöglichen. Je weiter diese jeweiligen Erwartungen von einander entfernt sind, umso mehr bewegt sich bloß an der Oberfläche - bis wir nur noch über Fußball und "Politik" reden können. Aber auch nur dann, wenn wir die selbe Mannschaft bzw. Partei unterstützen - alles andere wäre undenkbar. Undenkbar deshalb, weil wir es nicht gelernt haben, tiefer zu verstehen und uns in den Willen anderer nicht hineinversetzen können.

Was ich will


Wenn ich die Veränderung sein will, die ich in der Welt sehen möchte, dann beginnt es damit, alle unterschiedlichsten Willen zu verstehen, insbesondere meinen eigenen. Ich will in allen Gegebenheiten meinen Willen stets wahrnehmen und ihm treu bleiben, auch oder gerade wenn dieser in diesem Raum keine Möglichkeit zur Entfaltung zu haben scheint. Darauf darf kein Unverständnis und eine verurteilende Abkehr folgen, sondern eine Empathie den anderen gegenüber, seien sie noch so unterschiedlich oder gar konträr meinen Absichten gegenüber.

Ein bedingungsloser Wille also

... der unabhängig von den Umständen verstehen möchte, ohne dabei die Verbindung zu sich selbst zu verlieren und genauso spürt, wann es Zeit ist, die Aufmerksamkeit wieder ganz seinem eigenen Willen zu widmen. Und genau darin liegt das Spannungsfeld, in dem ich mich bewegen möchte: einerseits den Willen anderer zu verstehen, nachzuvollziehen und zu respektieren und andererseits dabei nie meinen eigenen Willen unterdrücken. Oder wie der Sufi-Mystiker Rumi meinte:

"Weit jenseits aller Vorstellungen von Richtig und Falsch gibt es einen Ort: Dort treffen wir uns"

Sonntag, 3. Februar 2008

Vielfalt

Es scheint der Wille der Evolution zu sein, dass sich alles Lebendige stets weiter entwickelt und dabei jede neue Erscheinung das "Alte" in sich trägt. So hat jede Lebensform ihre ganz eigenen Eigenschaften und doch besitzen sie alle eine gemeinsame Basisstruktur. Atome - Moleküle - Zellen - Organismen... Dabei schließt die neue Form immer die alte mit ein, ohne dabei nur eine bloße Ansammlung von beispielsweise Zellen zu sein - sondern es entsteht auch eine neue Funktion - es wird vielfältiger.

Die Menschen sind mit einer Selbstreflexion ausgestattet, die keine Lebensform davor besaß. So sind wir beispielsweise die einzigen Lebewesen, denen bewusst ist, dass sie sterben werden. Wenn dieses Wissen bloß etwas weiter greifen würde: Nämlich, dass wir trotzdem genauso Natur sind und deren Zerstörung einer Vernichtung der eigenen Lebensgrundlage gleicht.

"Treffen sich 2 Planeten. Na wie gehts? Nicht so gut - ich hab Homo sapiens! Ach, das geht vorbei."

Erst kürzlich habe ich eine Studie über die Situation unserer Meere gelesen. Aufgrund der Wassererwärmung und der enormen Verschmutzung der Gewässer breiten sich primitive Organismen wieder rasant aus - und weit entwickelte Meeressäuger sterben aus. Die Fischerei-Schlachtschiffe tun ihr übriges. Ein Rückgang der Evolution also?

Von wegen der Stärkere setzt sich durch. Der Stärkere zerstört bloß seine eigene Grundlage, wenn er nicht lernt zu kooperieren. Wie der Mensch aus zigtausenden Bakterien besteht, die scheinbar gelernt haben zusammenzuarbeiten, genauso müssen wir auch lernen, mit unserer Welt im Einklang zu leben, wenn wir uns nicht selbst ausrotten wollen.

Es geht um viel mehr!

Wir Menschen sind mit enormer Vielfalt ausgestattet - jedes Individuum für sich unersetzbar und doch so ähnliche Bedürfnisse. Oft fällt es mir dabei selbst schwer, diese Vielfalt wirklich so wertzuschätzen. Wenn mich etwas sehr beeindruckt, fühle ich manchmal zum Beispiel nicht nur diese postive Anerkennung eines anderen, sondern auch eine gewisse unangenehme Portion Neid. Warum habe ich noch nicht diese Ausbildung gemacht, warum habe ich noch nicht gelernt so offen vor einem Publikum zu sprechen und warum kann ich noch keine Wände hochlaufen? Damit folge ich immer wieder der sogenannten Anleitung zum Unglücklich sein, nämlich in dem ich mich mit anderen vergleiche (und bewerte).

Langsam aber doch lerne ich, diese Ansicht umzudrehen: Wow, schön, dass der Dinge macht, die mich scheinbar auch interessieren. Und je stärker diese Anziehung ist, desto genauer muss ich schauen, was dahinter steckt - welche Werte und eigenen (unerfüllten) Wünsche.

Aber das Schönste dabei ist ja die Inspiration.

Stell dir einmal vor, es gäbe keinen Menschen, der dich irgendwie interessieren würde oder der nichts an sich hat, was du auch gern lernen würdest! Wie langweilig! Wie könnten wir als Menschheit die dringend notwendige Wandlung weiter vollziehen - wenn es keine unterschiedlichen, vielfältigen Qualitäten gäbe, die zusammen ein Bild - eine Welt - ergeben. Was wäre die Intellektuelle ohne Menschen, die ihr Liebe schenken und was wäre eine Person voller Vertrauen, wenn sie keine Anregungen von Büchern bzw. erfahrenen Autoren bekäme, um ihre wertvollen Gedanken zu verkünden.

"Ein Nein bedeutet nur ein Ja zu etwas anderem. Wir müssen das Ja hinter dem Nein finden."

Ich war lange genug dagegen - und ich denke, das war auch anfangs notwendig, bis ich alles erfasst habe, mit dem ich nicht einverstanden bin. Und jetzt heißt es, nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein. In meinem Bezirk werden die Scheiben der FPÖ Zentrale (=rechtsextreme Partei) immer wieder eingeschlagen. Im ersten Moment hat das Positive überwiegt, nämlich die Message: Rassismus ist hier unerwünscht. Doch passiert hier nicht genauso Ausgrenzung? Wie wird dieser Vandalismus wohl interpretiert - wird er nicht weiteren Hass schüren?

So schwer es auch wirken mag, die Akzeptanz und das Begrüssen der Vielfalt muss soweit gehen, dass auch diese Menschen anerkannt werden. Nicht ihre Aussagen, aber das, was dahinter steckt.

„Alle Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse."

Rosenbergs gewaltfreie Kommunikation ist eine der vielfältigen Lösungsansätze, deren wir uns dabei bedienen können. Und davon gibt es ja genug, Dank der Vielfalt. Wir müssen uns dabei nur unserer (inneren!) Natur vermehrt zuwenden und deren Weisheiten erkennen - und anwenden. Damit die Artenvielfalt nicht weiter darunter leiden muss, weil wir viel zu einfältig sind und nicht wagen, unser Potenzial weiter zu entfalten.

Samstag, 2. Februar 2008

Vom Herzen spielen

Vergangenen Herbst habe ich an einem Workshop Ursprüngliches Spiel (www.originalplay.com) teilgenommen. Nachdem mich diese Zeit sehr bereichert hat, möchte ich dir gerne meine Eindrücke über dieses Seminar in diesem Eintrag schildern.

Die Dualität des Gewinnens und Verlierens

Bereits beim Einführungsvortrag rollten nicht nur dem Seminarleiter Fred Donaldson Tränen des tiefen Mitgefühls über die Wangen. Wie viele Kinder wachsen heute in einem Klima der Distanz und (verbalen) Gewalt auf? In den Schulen werden wir auf den „wohlfahrtsfördernden“ freien Wettkampf vorbereitet, lernen die gesellschaftlichen Spielregeln anzuwenden und werden in allen Lebensbereichen in die Dualität des Gewinnens oder Verlierens eingewiesen. Nach Donaldson gäbe es in dieser Art des (Er-)Lebens bloß drei verschiedene Verhaltensweisen: entweder man kämpft, flüchtet oder wird zum Opfer.

Dringend gesucht: Eine andere Art des Zusammenseins

Nach seinem Doktortitel realisierte er, dass in der Wissenschaft bloß vom Lernen gesprochen, aber nicht erfahren wird. Also begann er Orte aufzusuchen, wo er wirklich lernen könne. Er begann in einer Vorschule mit Kleinkindern eine Verbindung aufzunehmen, indem er sich am Boden begab und anfing, geduldig die Sprache der Kinder zu lernen. Von aggressiven Kindern über Krebspatienten bis zu Grizzlybären, von allen bekam er eines gelehrt: das so genannte ursprüngliche Spiel. Eine Art des Zusammenseins, indem jeder die Rolle des Ichs vergisst und es nur noch ein Wir gibt.

Ein Blick in das bunt gemischte Publikum belegt die eigene Empfindung: Faszination, Berührtheit und Inspiration. Diese Aufmerksamkeit sollte bis zur letzten Minute anhalten. Aber was ist das ursprüngliche Spiel jetzt wirklich? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Oft gab Fred Donaldson genau durchdachte (und „durchgefühlte“) Antworten, welche die Philosophie des ursprünglichen Spiels umkreisten: Es sei ein Spielen, das aus dem Moment heraus entsteht, jenseits von kulturell Geschaffenem und Erlerntem. Im ursprünglichen Spiel erlängen wir den Schlüssel zu uns selbst und den Zugang zu einer inneren Verbundenheit mit allem, was ist.

Keine Angst, liebeswertes Wesen.


Es folgten neben seinen bewegenden Erfahrungen und Erläuterungen auch praktische Anwendungen: So mussten wir uns anfangs in eine simple Wettkampfsituation versetzen, in der der eine den anderen wegdrücken musste. Danach sollten jeweils einer der Teilnehmenden aus diesem Wettkampf aussteigen: Du möchtest meine Hand? Da hast du sie! Eine sanfte Berührung und ein erfüllender Blick ließen den im Wettkampfverbleibenden oft mit Fragezeichen sein Vorhaben vorzeitig beenden. Wozu soll ich Gewalt anwenden, wenn ich gar nicht bedroht werde? Und hier ist auch die Hauptmessage des ursprünglichen Spiels: Die Vermittlung des Gegenübers, dass er ein liebenswertes Wesen ist und keine Angst zu haben braucht.

Diese Einstellung bewirkt Wunder.


Und auch wenn manche Übungen nur bescheidene Ergebnisse lieferten, so war zumindest ein deutlicher Unterschied zu spüren: Die Anspannung, das Anhalten des Atems und die Einengung der Wahrnehmung auf den Widerstand im Wettkampf und die freundliche Gelassenheit während „dem Spielen vom Herzen“. Das alleine machte einen Qualitätsunterschied und eine Erfahrung, die man in alle Bereiche des Lebens integrieren kann.

Liebe ist stärker als Gewalt.

Oder wie Fred Donaldson sagt: "Ursprüngliches Spiel ist der Mut, Freundlichkeit und Sicherheit in allen Situationen auszustrahlen. Und das bedeutet: wenn der Boxschlag eines aggressiven Jugendlichen auf meiner Wange landet; in genau diesem Moment muss ich in der Lage sein, Liebe zurückzugeben. Liebe ist stärker als Gewalt. Das ist die Macht des Spiels. Und die Kinder dieser Welt warten darauf, dass wir uns zu ihnen auf den Boden setzen und für sie da sind."

Freitag, 1. Februar 2008

Bergsteigen

Bergtouren haben schon etwas an sich. Nicht nur aufgrund der naturnahen, zivilisationsfernen Zeit und der Hingabe zu einer ganz eigenen Welt. Nein, gerade auch weil sich viele Herausforderungen in das alltäglich Leben übertragen lassen.

Das beginnt bereits bei der Vorbereitung und Planung: Welcher Berg entspricht meinen Fähigkeiten und stellt doch eine gewisse Herausforderung dar?
Daraufhin folgt die Frage, was ich denn dafür brauche. Genauso wie der Tag nur 24h hat, ist auch der Rucksack und die eigene Tragfähigkeit beschränkt. Was nehme ich also mit auf meinem Weg, was wird mich unterstützen und stärken? Und was wird mich eher belasten und die Erreichung meiner Ziele erschweren? Das sind Fragestellungen, die ich mir beinahe täglich stelle. Denn sie lassen einem jegliche Gewohnheiten und auch Bequemlichkeiten hinterfragen, ob sie es denn wirklich wert sind, sie weiter mit sich zu tragen.

Es ist es wert, genauer hinzusehen.

Das fängt bei offensichtlichen Lebensbereichen wie Essgewohnheiten, Bewegung und Sitzhaltung an und endet beim subtileren Umgang mit sich selbst. Wie kommuniziere ich mit mir und anderen?
Etwas, das mich ständig begleitet, sind meine vielen Vorhaben und Planungen. Das beginnt bei früherem Schlafen gehen und reicht zu unzähligen Veranstaltungen, die ich am liebsten zeitgleich besuchen würde. Wenn dies dann oft nicht gelingt, höre ich mich selbst kritisieren. "Toll, wieder nicht rechtzeitig auf die Uhr gesehen, und wieder deine Zeit vertrödelt." So ein Käse! Auch wenn es manchmal richtig schwer fällt, so ist es doch notwendig, es doch einfach anzunehmen, wie es ist. Ja ok, jetzt habe ich mich nun mal diesem und jenem gewidmet. War doch keine schlechte Sache, oder? Na eben. Und wenn doch (siehe oben), dann lerne ich jetzt daraus - wie schön. Und morgen gelingt es mir vielleicht schon besser.

Paul Coelho's "Auf dem Jakobsweg"

... bringt den Protagonisten soweit, dass er jeden Vorwurf gegen sich selbst durch das Hinzufügen eines physischen Schmerz ausgleicht - um den seelischen Schmerz, der dabei verursacht wird, auch körperlich wahr-zu-nehmen. Wenn ich manchmal durch die Stadt spaziere und so manchen Leuten bei ihrem miesgelaunten Gemurmel zuhöre, denk ich mir stets: Aua!! Das muss aber weh tun, mein Mitgefühl! Kennst du "free hugs"? Da, wo Leute sich in eine Menschenmenge stellen und Umarmungen umsonst anbieten? Das wäre wohl die richtige "Medizin" gegen all diese Schmerzen. :-)

Das alles ist übrigens nicht aus der Luft gegriffen, sondern ist auch in der Psychoanalyse Thema, es gibt sogar das Wort Psychohygiene, bei der der Kopf von sämtlichen unnötigen bzw. krank machenden Gedanken befreit werden soll. Andere nennen das wiederum Meditation. Wobei:

Ist nicht bergsteigen eine Art Meditation?


Schritt für Schritt, achtsam, kräftesparend ... einer nach dem anderen. Nie das Ziel aus den Augen verlieren und doch den Weg zum Ziel machen, bergsteigen ist schon eine Weisheit für sich. Manches Mal, wenn der Anschein erweckt wird, dass einfach nichts weiter geht, können auch Zweifel entstehen: War das wirklich die richtige Entscheidung? Kann einem das Ziel weiter motivieren, lässt sich das eigene Potenzial dabei entfalten oder ist doch einige Last zuviel im Gepäck? Weg damit! Und falls es trotzdem nicht so richtig laufen will - bin ich denn überhaupt hier richtig? Ist das die richtige Herausforderung für mich? Oder ist vielleicht gerade das Zulassen des eigenen Scheiterns meine richtige Prüfung? Ja, ich darf mich falsch entschieden haben! Ja, ich darf Fehler machen oder einfach zu schwach sein!

"Kein Wind ist der richtige, solange du nicht weißt, wohin du segelst."


Sobald das Ziel klar ist, lässt der Aufwind nicht lange auf sich warten und mit jedem Schritt, der richtig gesetzt wird, erringt mensch Klarheit. Nicht nur über sich, sondern auch über seine Mitwelt. Immerhin ist diese genauso bei ihrem Versuch, sich Stufe um Stufe zu heben, weiten.

Einer der schönsten Momente ist, wenn sich nach einem anstrengenden Aufstieg das Blickfeld langsam erweitert und verborgenen Welten erschlossen werden. Das eine verbindet sich mit dem anderen und es entsteht ein ganzheitliches Bild. Bis schlussendlich der Gipfel in Sicht ist, und einem ein Gefühl von Freiheit die gesamte Anstrengung vergessen lässt. Dies ist Krönung der eigenen Reise. Auch wenn der Abstieg nicht ewig auf sich warten lässt, so prägen einem jene Erlebnisse und geben einem Kraft für die nächsten Touren im Laufe des Lebens.

Zuletzt noch fünf Zeilen, die einem Schritt für Schritt zeigen, was in unserer Hand liegt. Sie zeigen auf einer wundervollen Art und Weise, dass wir unser Erleben in weitem Ausmaß beeinflussen können und wir unser eigener Bergführer sind.


"Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal."

Donnerstag, 31. Januar 2008

Gut gemeint

"Lass dir aus dem Wasser helfen, sonst wirst du ertrinken", sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf den Baum.

"Das Gegenteil von gut ist gut gemeint", hörte ich erst gestern in Ö1 und brachte mich zum Schmunzeln - genauso wie dieser Affe. Wohl auch, weil ich mich selbst richtig gern zum "Affen" mache. Ein Erlebnis habe ich mir dabei eingeprägt - nämlich ein Gespräch mit einer Freundin.

Sie: "Ich bin traurig (...) Wie geht es dir?"
Ich: "Mir geht es sehr gut, (...) Ich wünschte mir nur, dir würde es auch so gut gehen."

Eigentlich war das doch gut gemeint. Ich fühlte mich eigenartig, ja vielleicht auch getrennt, wenn ich selbst glücklich bin, während der gegenüber gerade traurig ist. In den meisten Fällen wollen wir das scheinbare Problem dann unterbewerten, ist doch nicht so schlimm, Kopf hoch, wird schon wieder. Warum fällt es uns so schwer, "negative" Gefühle anzunehmen? Genau darin besteht ja schon das Problem: ich bewerte sie als negativ und daher sollen sie schnell wie möglich weg! So lernen wir aber nie mit ihnen umzugehen. Vielleicht benötigt jemand genau jetzt dieses Empfinden, um sich weiter zu entwickeln, genauso wie der Fisch das Wasser braucht.

"Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu."

Erst kürzlich ist mir ein interessanter Gedanke des Philosophen Rosseau untergekommen: Es sei naiv zu glauben, dass eine wachsenden Vernetzung nicht zu einem wachsenden Konformitätsdruck führen würde. Genau das ist das Schwierige. Mit anderen zusammen zu sein, aber dabei nicht in eine Rolle überzulaufen, sondern das zu bleiben, was mensch gerade ist. Was mir schon zu zweit oft Schwierigkeiten bereitet, wird dann zur überwindbaren Herausforderung, wenn mehrere Leute zusammen sind. Abgesehen von Gruppen, die zusammen kommen, um die Vielfalt an Lebendigem in sich und anderen wahrzunehmen zu wollen. Das ist selten das Hauptmotiv eines Treffens, oder zumindest fällt es schwer, dieses Bewusstsein ohne angemessenen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was passiert also meist bei Treffen von Menschen, die sich nicht der obigen Herausforderung bewusst sind: es wird eine gemeinsame Ebene gesucht, bei der möglichst alle (oder die mensch dabei haben will) mitspielen können. Meist ist diese dann sehr verflacht, und wenn mensch sich ehrlich ist, dann fühlt sich dieser Austausch nicht sehr bereichernd an. Natürlich, wenn gerade eine freudvolle, herzliche Runde zum Scherzen gelaunt ist, ist das etwas Wunderbares. Nur setzen wir doch jemanden hinein, der eigentlich gerade traurig ist. "... aber ich komme selten dazu."

"Das Gegenteil von Mut ist Anpassung."

Anpassung ist denke ich in dem Sinn gemeint, dass mensch seine eigenen Empfindungen und Bedürfnisse zurückstellt, um den Erwartungen und Gegebenheiten anderer zu entsprechen. Also sich selbst untreu ist, um der Harmonie willen. Dabei ist Harmonie so ein schönes Wort! Sind wir nicht alle gleich und wollen letztendlich das Selbe? Ja, letzten Endes schon, doch sind wir hier als Gesellschaft noch am Anfang unserer Reise. Heute denken wir, wir würden alle die selben Handys und das ganze Zeug brauchen. Der "Wohlstand" und damit die Lebensqualität einer Gesellschaft wird ja weltweit im pro Kopf Einkommen gemessen. Nicht, dass dieser technologische Fortschritt unser Leben vereinfachen würde, keine Frage. Aber solange wir uns auf dieser Ebene begegnen, ist es für mich klar: es ist Zeit, diese künstliche Harmonie zu brechen. Sich selbst treu sein und das zu auszuleben, was wir wirklich brauchen, und nicht, was uns die Werbung einbläuen will.

"Wer keine Grenzen setzt, schafft keine Räume."


Eine Freundin von mir meinte öfter, sie wäre zu erst immer mit ihren Lebensthemen bei anderen gegen die Wand gelaufen. Irgendwann hat sie sich entschieden, einen Raum aufzusuchen, bei dem diese Themen wert-voll und willkommen waren. Was ist das für ein spürbarer Unterschied von Lebensqualität? Das Schwierige ist dabei, seine Grenzen zu setzen. Wenn sich in dem einen Raum das was ich brauche nicht ergibt, so ist es meine Verantwortung, einen anderen aufzusuchen. Dabei ist es nun mal notwendig, den anderen zu verlassen - sich zu ent-scheiden. Dafür benötigt es unglaublichen Mut, sich nicht anzupassen, sondern seiner inneren Stimme zuzuwenden.

Denn weiß nicht jeder selbst, was gut für ihn ist? Und auch wenn andere einem dabei unterstützen wollen, so erteilen sie doch dabei gern Rat-Schläge und halten fest. Es sei ja gut gemeint! ;-)

Mittwoch, 30. Januar 2008

Gandhi

Zum 60. Mal jährt sich heute der Todestag von Gandhi. Die Art und Weise, wie er sich für die Rechte der Armen und Unterdrückten einsetzte, beeindruckt mich zu tiefst. Er lehnte sich gegen das übermächtige britische Empire auf und blieb dabei seinen 2 Prinzipien treu: Gewaltlosigkeit und das Festhalten an der Wahrheit. Denn:

„Wahrheit schließt die Anwendung von Gewalt aus, da der Mensch nicht fähig ist, die absolute Wahrheit zu erkennen und deshalb auch nicht berechtigt ist zu bestrafen.“

Seine Bescheidenheit und die unbändige Willenkraft, die er regelmäßig durch seinen zivilen Ungehorsam zeigte, ließen ihn zum Mahatma, der großen Seele Indiens, werden. Bis zur Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1947, welche aufgrund religiöser Konflikte mit einer (für ihn schmerzlichen) Trennung in ein muslimisches Pakistan und ein hinduistisches, aber säkuläres Indien besiegelt wurde, hielt man Gandhi insgesamt 8 Jahre gefangen.

"Auge um Auge und die Welt wird blind."

Gewalt war für ihn die Waffe der Schwachen, die sich nicht anders mit Konflikten auszusetzen wussten. Auch für mich ist es eine Art Hilfeschrei, ein Mangel an Vertrauen und Liebe, ein selbstschützender Reflex, seine eigene Verletztheit auch anderen zufügen zu wollen. Einige mystische Lehren, und Gandhi galt als sehr spirituell, gehen davon aus, dass es im Innen genauso wie im Außen ist. Solange ich also nicht meine eigenen Wunden heile und im Einklang mit mir selbst bin, wird es mir auch nicht gelingen, die Bedürfnisse und auch die Wunden anderer zu sehen und zu heilen. Ganz im Sinne von:

"Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst."

Diese Aussage erinnert mich immer wieder daran, dass es an mir liegt, mich in die Richtung zu entwickeln, die ich (er)leben möchte. Wir können zwar nicht die Welt an sich verändern, aber was wir verändern können, sind unsere Einstellungen und damit auch die Art des Erlebens ihr und uns gegenüber. Wenn mich also einmal wieder ein/e rechtskonservative/r PolitikerIn derartig aufregt, dass ich mich innerlich verurteilen höre, wie mensch nur so daneben sein kann, dann blicke ich genauer hin. Ich kann zwar diesen Menschen nicht unmittelbar beeinflussen, aber was ich kann, ist versuchen zu verstehen. Warum ist mensch zu solchen Worten oder Taten bereit, wie kommt er dazu?

Anfangs, als ich Bush's Biographie durchgeblickt habe und entdeckte, dass er alkoholsüchtig (gewesen) ist, dachte ich mir: Das gibts ja nicht, wie kann so ein Typ bloß Präsident sein. Heute blick ich mit anderen Augen auf ihn, ich empfinde ehrliches Mitgefühl mit ihm. Ich bin mir sicher, dass er in einer sehr, sehr schwierigen, wohl auch distanzierten Familie aufgewachsen ist und wenige wirklich intime Begegnungen machen durfte. Seine Hinweise, dass Gott ihn beim Irakkrieg unterstützen würde, zeigen seine Hilfslosigkeit (auch wenn es nur ein PR Maßnahme war). Genauso verrückt ist ja beispielsweise der japanische Verteidigungsminister, der erst kürzlich offiziell angekündigte, sich gegen eine Invasion von Außerirdischen aufzurüsten. Er muss wohl doch zu oft Godzilla gesehen haben, auf den er sich übrigens sogar in seiner Rede bezieht. Auch mein tiefstes Mitgefühl an diesen änglichsten Kerl, der sich wohl nicht mal in einem Atombunker sicher fühlen wird.
Aber kommen wir zurück zu Gandhi:

Was war seine Vision?

... und was können wir heute noch von ihm lernen? Indien ist heute wie jedes sogenannte Schwellenland tief gespalten: ca. 5% der indischen Bevölkerung erleben einen Wirtschaftsboom und einen rasanten Anstieg des Lebensstandards, während die ländliche Bevölkerung (60%) ums Überleben kämpft und bis zu 50% der Menschen in den Großstädten in Slums unterkommen müssen.

Gandhi's Bemühungen, Indien zu einem sozial gerechten, friedlichen Staat zu entwickeln, schienen nicht nachhaltig gewirkt zu haben. Seine Appelle an politische Führer, bei jeder Entscheidung sich das Gesicht des ärmsten Menschen vor Auge zu führen, den sie begegnet sind und sich dabei zu fragen, ob diese Maßnahme diesen Menschen unterstützen wird, scheint weitgehend unbeherzigt. Was wir trotz aller ernüchternden Entwicklungen aber nach wie vor nicht unterschätzen und wir uns, im Gegenteil, dadurch bestärken lassen sollten, ist: Wozu ein Mensch in der Lage sein kann, wenn er wirklich will. Oder wie Gandhi meinte (und lebte!):

"Es gibt keinen Weg zum Frieden - der Frieden ist der Weg."

Montag, 28. Januar 2008

Weniger ist mehr

Zumindest in vielen Fällen. Wenn ich an Artenvielfalt, Regenwälder und sauberes Trinkwasser denke, dann ist selbstverständlich mehr wertvoller.
Worauf ich aber heute eingehen möchte - da ich damit auch in diesem Weblog konfrontiert werde - ist die Selektion von Inhalten (jeder Art, jederzeit). Wenn ich beim Schreiben phasenweise inne halte und horche, was ich zum Ausdruck bringen will, werde ich oft schlicht von Ideen überflutet. Je mehr ich sie in den Text einfließen lasse, desto schwieriger wird es, diese miteinander zu verknüpfen. Gerade im letzten Eintrag habe ich wohl zuviel mit hineingenommen und den einzelnen Facetten zu wenig Raum gelassen.

Diese Problematik, oder drücken wir es freundlicher aus: diese Chancen ergeben sich genauso in meinem Leben. Wenn ich von einer Sozioökonomie Vorlesung zu einem Pädagogik Seminar spaziere, kommt genauso die Frage: Wie passt das eigentlich alles zusammen? Seine Nase in möglichst viele Interessensgebiete zu stecken und dabei zu erforschen, ob und falls ja, was einem dabei anzieht, gibt einem eine gute Orientierung. Eine Art Landkarte, die mensch sich dann zur Hand nehmen kann, wenn es heißt, seine Ziele zu formulieren. Mit diesen Erfahrungen stehen die Chancen ganz gut, den eigenen Weg zu finden.

Differenzierung und: Integration!


Allerdings hat dieses Erforschen auch eine Kehrseite: bleibt mensch an der Oberfläche und geht nicht tiefer, dann fehlt die Klarheit darüber, was einem genau bewegt hat. Bildhaft gesprochen wäre es wohl die Landkarte, deren Maßstab sich immer mehr vergrößert: Vielleicht ist bereits die ganze Welt darauf abgebildet. Dabei wird es aber umso schwieriger, seine entdeckten Plätze wiederzufinden.

In der menschlichen Entwicklung gehören stets zwei Verhaltensweisen zusammen: Differenzierung, also neues Wissen und Erfahrungen aneignen und: Integration dieser. Letzteres wird stark unterschätzt, da es in einer Leistungsgesellschaft keine Zeit dafür gibt. Der Professor eines Supervision-Seminars mit dem Titel "Ich und der Sinn meines Studiums" ging soweit, dass er meinte, er hielte jene Studierende, die in Mindeststudienzeit absolvieren, für gefährlich (für die Gesellschaft).

"Die Uni sollte ein Ort der Entschleunigung sein"

... fügte er hinzu. Ein seltenes Exemplar von Prof an einer Uni: schade? Oder doch einfach dankbar dafür? Eine Ansichtssache. Mit letzterem fühl ich mich weit besser, was will ich mehr? Und überhaupt, liegt es nicht an mir, ob ich mich entschleunige und Zeit fürs Integrieren nehme oder nicht? Das Beginnt bei Alltäglichem wie die Art des Gehens, mit Scheuklappen gerade aus in vollem Tempo oder ruhig und wahr-nehmend. Das bewusste Atmen hilft mir dabei, mich von den oft unnötigen Gedanken ins Fühlen zu bringen. Alleine dieses andere Empfinden ist es wert, weniger den Tag zu verplanen und: mehr Zeit für weniger zu nehmen.

Ob das dann lernen, Sport, Freunde treffen oder fernsehen ist ,sei einem selbst überlassen: Hauptsache mensch wählt für sich etwas Wert-volles. Denn wir geben ja auch stets unseren wertvollsten Besitz: unsere Zeit.

In diesem Sinne: Danke für deine Zeit,

Christian

Sonntag, 27. Januar 2008

Ent-Scheidungen

Oft ergeben sich aus unscheinbaren Fragen Entscheidungen, deren Beantwortung das Leben verändern können. Wie heute: Gehe ich zum Einführungsabend der wilderness school oder lass ich den Sturm draußen alleine vor sich hin peitschen und bereite mich lieber auf meine letzten Uniprüfung vor.

Die Frage, die sich mir dabei immer wieder stellt, ist, was jetzt eigentlich die angemessene Prüfung für mich ist. Welche entspricht meinen Bedürfnissen und fordert mich auf eine Art und Weise, die mich wachsen lässt - mir Kraft und Energie gibt, statt sie mir zu nehmen.

"Je mehr ein Mensch über etwas reflektiert,
desto unsicherer wird er dabei."


Diese scheinbar paradoxe Aussage habe ich aus einer Philosophievorlesung. Durch die Reflexion sollte einem doch bewusst werden, was man will. Dann wurde mir klar, was das bedeuten könnte: Die Vernunft alleine wird sich durch das Hinterfragen stets verunsichern, denn sie lötet immer mehr Möglichkeiten und Lösungen aus. Dadurch fällt einem das Abwägen umso schwerer, ja, es macht es unmöglich rein aus dem Kopf heraus.

Genauso wie die Philosophie keine Antworten, sondern bloß (weit entwickelte) Fragen geben kann. Mit der Unsicherheit, die daraus entsteht, müssen wir uns aber nicht nur mit der Kopfebene auseinandersetzen. Allerdings haben es die wenigsten je etwas anderes erlernt und haben daher kaum Repertoire zur Hand, wenn es darum geht, sich zu entscheiden.

"Es ist ein Irrglaube zu behaupten, der Mutige kenne keine Angst. Ganz im Gegenteil, er kennt sie sehr gut!"

Genauso wie sich keiner ängstlich fühlen möchte, ist es mit der Unsicherheit. Wir würden es am liebsten verdrängen, und ja, tun es ja auch: durch (in die) Fern(e)sehen, durch materielle Sicherheiten und Anerkennung anderer. Für mich verliert dieser Weg mehr und mehr an Reiz, je mehr ich mir darüber klar werde, dass ich für mein (Er)Leben selbst verantwortlich bin.

Dabei ist es essentiell, sich zu wagen, genauer hinzusehen. Ja, ich bin mir unsicher. Genauso wie der Mutige spürt: ja, ich habe Angst. Aber: ich kenne sie, sie ist ein Teil von mir und wenn ich sie verdränge, dann leugne ich mich selbst. Oder wie Hesse es bildlich ausdrückt: "Jedes Gefühl, das wir unterdrücken, ist wie ein Stern, der am Himmel erlöscht."

Der Tod als Entscheidungshilfe

Der beste Ratgeber ist jeder selbst - und dabei haben wir einen wichtigen Verbündeten: der eigene Tod. Ich stell mir in schwierigen Entscheidungssituationen Folgendes vor: Es sei der Zeitpunkt erreicht, an dem es heißt, Abschied zu nehmen. In meiner letzten Lebephase lasse ich mein Leben noch einmal aufleben, was hat mein Leben wirklich bereichert, wo war ich ganz Ich und erfüllt?

Wie unwichtig erscheint dann die Uniprüfung und so vieles, von den mensch sich täglich stressen lässt. Und wie deutlich kommen die Momente hervor, für die es wert ist, zu leben. Genau diesen Fokus möchte ich in meinem Leben nicht mehr loslassen (alles andere dafür umso mehr), denn es bereichert mein Leben, zu dem keine (Geld)Note im Stande ist.

"Wohin du auch gehst, gehe mit deinem ganzen Herzen."

Das Schwierige ist, bei Ent-Scheidungen sich immer von etwas scheiden zu müssen. Könnte mensch alles haben, käme er nicht an diese Weggabel. Aber das könnte man ja auch genauso umdrehen: Ist es nicht eine wahre Bereicherung, sich für etwas entscheiden zu dürfen? Wieviele werden in Situationen hineingeboren, wo es um das nackte Überleben geht?

Heute Abend habe ich einen Film über südafrikanische Straßenkinder gesehen, denen es genau so ergangen ist: sie hatten keine Wahl. Also bitte, hör doch auf dich mit Kleinigkeiten zu plagen und genieß die Vielfalt, die dir geboten wird. Und tu deinen Teil, damit auch andere diese Chance bekommen. Ja, du bist gemeint:

Christian!!

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Sei weit, meine Seele
von Rainer Maria Rilke Vor lauter Lauschen und Staunen...
c4luxe - 30. Jul, 17:36

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